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Nichts schien mir dafür geeigneter als Beziehungen aufzunehmen mit den „Rabbis for Human Rights" in Jerusalem. Aus Handbüchern über Friedensgruppen in Israel war mir diese Organisation bekannt, doch von ihren etwa hundert Mitgliedern kannte ich nur einen einzigen Rabbiner und auch diesen nur ziemlich oberflächlich, aber ich dachte, man könne es doch einmal wagen. Und so schrieb ich einen ausführlichen Brief an Rabbiner Jeremy Milgrom , in dem ich ihm meine Ideen im Hinblick auf die Gründung einer Partnerschaft mit den RHR darlegte, und siehe da! ich stieß auf großes Interesse auf Seiten unseres zukünftigen Partners! Es stellte sich heraus, dass er sogar vorhatte, in diesem Jahr eine Vortragstour durch Deutschland zu machen. Durch die Deutsch-Palästinensische Gesellschaft erfuhr ich dann, dass am Ende dieser geplanten Reise noch Platz für einen Vortrag in unserer Gemeinde sei , ja dass er sogar in unserer Kirche predigen könne! Dieser Plan konnte dann tatsächlich umgesetzt werden, und so hielt Jeremy Milgrom, der sich sofort gut mit Wolfgang Graf verstand, seine erste Predigt in der evangelischen Kirche Bensbergs. Nach der gerade anstehenden Lesung aus 1. Mose 28-33 ging es um einen entscheidenden Abschnitt im Leben Jakobs, nämlich seinen Traum von der Himmelsleiter während seiner Flucht vor seinem Bruder Esau, den er ja auf nicht gerade schöne Weise hintergangen hatte. Aber Jeremy Milgrom verband diese Geschichte auch mit der wunderbaren Erzählung von der Versöhnung zwischen den beiden verfeindeten Brüdern, gleichzeitig ein sehr eindrucksvolles Symbol für die beginnende Versöhnung zwischen Juden und Christen nach den schrecklichen Ereignissen des Genozids an den Juden während der Nazizeit. Unser Prediger verstand es so gut, den Gedanken der Versöhnung zu verdeutlichen, dass die Gemeinde nach der Beendigung der Predigt spontan zu klatschen begann. Das war also der Auftakt zu der nun bald fünfjährigen Partnerschaft mit den „Rabbis for Human Rights"! Später wurde dann das Ganze noch durch einen Prebyteriumsbeschluss abgesegnet. |
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Seitdem hat uns Jeremy Milgrom schon häufig besucht, hielt auch Vorträge zur aktuellen politischen Situation in Israel / Palästina und diskutierte mit Schülern in verschiedenen Schulen Bensbergs. Ein besonderer Höhepunkt war die Verleihung der Georg-Fritze-Gedächtnisgabe , die Jeremy Milgrom stellvertretend für die RHR im letzten Jahr in der Kartause entgegennahm. Inzwischen hat die Partnerschaft auch ganz praktische Konsequenzen nach sich gezogen, denn wir haben mit Hilfe unserer Kollekten, einer palästinensischen Nichtregierungsorganisation und natürlich in Kooperation mit den RHR ein Frauenzentrum bei den Jahalin-Beduinen eingerichtet, das nun durch „Hilfe zur Selbsthilfe" immer weiter entwickelt werden soll. Gleichzeitig möchte ich auf einige der anderen Aktivitäten unserer Jerusalemer Partner hinweisen: Sie setzen sich sehr für die Palästinenser ein, deren Häuser von Abriss bedroht sind – Arik Aschermann, der geschäftsführende Direktor, hat sich sogar schon mehrfach mit seinem eigenen Körper heranrollenden Bulldozern in den Weg gelegt! - pflanzen Olivenbäumchen für palästinensische Bauern, deren Olivenbäume massenhaft abgeholzt wurden, oder helfen ihnen gegen raubgierige Siedler bei der Olivenernte, darüber hinaus engagieren sie sich auch für die Rechte von Gastarbeitern aus dem Fernen Osten etc. |
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Aber es sollte nicht vergessen werden, dass wir auch eine Rabbinerin bei uns zu Gast hatten ( im Jahre 2000)! Ma’ayan Turner hat ebenfalls hier gepredigt und in Gymnasien gesprochen; damals ging es um den 9. November. Wir hoffen, dass sie nicht das einzige weibliche Mitglied unserer Partnerschaft bleiben wird, denn wir haben schon eine weitere Rabbinerin in unsere Gemeinde eingeladen: Na’mah Kelman, die am Hebrew Union College in Jerusalem doziert. Auf diese Weise hoffen wir unsere Partner jenseits des Mittelmeers immer besser kennen zu lernen und sie uns! (Annelise Butterweck) |
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| Über die aktuelle Situation in Israel/ Palästina | ||||||
| Marylene Schultz und Annelise Butterweck berichten. | ||||||
| Meine Familie vergrössert sich | ||||||
| von Marylene Schultz | ||||||
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"Darf
ich bitte bei dir bleiben?" |
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| von Marylene Schultz | ||||||
| Besuch in El Aizariya | ||||||
| von Annelise Butterweck | ||||||
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Als
ich mich nach der offiziellen Beendigung des Bush-Krieges gegen den
Irak entschloss, nach Palästina zu fahren, hatte ich das große
Glück, bei Marylene Schultz und Diet Koster, den beiden
Erzieherinnen unseres Kinderheim-Projekts, die beide schon in
unserer Gemeinde von ihren Erfahrungen erzählt haben, zu Gast sein
zu dürfen. Bei Diet konnte ich im Vorratsraum schlafen, wunderbar
ruhig, ganz anders als in Jerusalem, wo sich auch nachts der
Autoverkehr lärmend durch die Straßen bewegt. Hier, im sog.Team-Haus,
lernte ich ein Stück weit die Großfamilie kennen, zu der sich
inzwischen das Kinderheim von damals entwickelt hat: Z.B. den
blinden Naseraus Bethlehem, der in Abu Dis Sozialarbeit studiert und
immer erst kurz vor den Prüfungen fleißig wird, Hakam, der bei
Mohammed Abu Hilweh - auch er war schon bei uns in Bensberg zu Gast,
als er in Köln seine Optikerlehre absolvierte - als Optikerlehrling
arbeitet, aber oft, von depressionen heimgesucht, im Bett liegen
bleibt, und die freundliche, lebenslustige Kitham, die als Kind eine
schwere Krankheit durchgemacht hat, von der sie durch eine
komplizierte Operation in der Schweiz geheilt werden konnte, und die
jetzt als Nachtschwester in den Four Homes of Mercy arbeitet. Ich
nahm auch teil an an den sonntäglichen Zusammenkünften der
Großfamilie, die sich bei Diet regelmäßig zum Abendessen
versammelte, und lernte so manche von Diets "Enkelkindern" kennen,
die die auf Tisch und Boden herumkrabbelten. Darunter waren auch die
beiden süßen Kinder unseres Mohammed. Draußen vor dem Haus
schnatterten unterdessen Väter und Mütter munter durcheinander, sich
im kühlen Abendwind von den Strapazen des Tages erholend. Auch bei
Marylene fühlte ich mich sehr wohl. Obwohl sie pensioniert ist,
kümmert sie sich nach wie vor um die Ehemaligen, deren Kinder, um
Nachbarsfrauen und Jugendliche aus dem Dorf,die beinahe zu jeder
Tages-und Nachtzeit bei ihr hereinschneien, denn ihr Haus ist fast
Tag und Nacht offen für alle, die sie brauchen oder auch einfach zum
Vergnügen kommen. |
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|
von Annelise Butterweck |
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