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Rabbiner für Menschenrechte

Rabbiner für Menschenrechte Wie unsere Partnerschaft mit den "Rabbis for Human Rights"(RHR) entstand 

Eines Tages, d.h. im Winter des Jahres 1998, fragte mich unser Pfarrer Wolfgang Graf, ob ich wohl bereit wäre, eine Partnerschaft mit einer jüdischen Gemeinde „einzufädeln", gleichsam als Ersatz für die inzwischen ausgelaufene Partnerschaft mit unserer früheren DDR- Partnergemeinde. Ich antwortete: „ Mit Freuden, aber die Palästinenser müssen auch eine Rolle dabei spielen!" Das war kein Problem, und so machte ich mich daran, meine Fühler in diese Richtung auszustrecken. Mein erster Gedanke , den ich dann auch verwirklichte, war, zweierlei miteinander zu verbinden: auf der einen Seite eine Förderung des christlich-jüdischen Dialogs und zum anderen eine aktive Beteiligung an Friedens- und Menschenrechtsarbeitarbeit in Israel und Palästina.    

Nichts schien mir dafür geeigneter als Beziehungen aufzunehmen mit den „Rabbis for Human Rights" in Jerusalem. Aus Handbüchern über Friedensgruppen in Israel war mir diese Organisation bekannt, doch von ihren etwa hundert Mitgliedern kannte ich nur einen einzigen Rabbiner und auch diesen nur ziemlich oberflächlich, aber ich dachte, man könne es doch einmal wagen. Und so schrieb ich einen ausführlichen Brief an Rabbiner Jeremy Milgrom , in dem ich ihm meine Ideen im Hinblick auf die Gründung einer Partnerschaft mit den RHR darlegte, und siehe da! ich stieß auf großes Interesse auf Seiten unseres zukünftigen Partners! Es stellte sich heraus, dass er sogar vorhatte, in diesem Jahr eine Vortragstour durch Deutschland zu machen. Durch die Deutsch-Palästinensische Gesellschaft erfuhr ich dann, dass am Ende dieser geplanten Reise noch Platz für einen Vortrag in unserer Gemeinde sei, ja dass er sogar in unserer Kirche predigen könne! Dieser Plan konnte dann tatsächlich umgesetzt werden, und so hielt Jeremy Milgrom, der sich sofort gut mit Wolfgang Graf verstand, seine erste Predigt in der evangelischen Kirche Bensbergs. Nach der gerade anstehenden Lesung aus 1. Mose 28-33 ging es um einen entscheidenden Abschnitt im Leben Jakobs, nämlich seinen Traum von der Himmelsleiter während seiner Flucht vor seinem Bruder Esau, den er ja auf nicht gerade schöne Weise hintergangen hatte. Aber Jeremy Milgrom verband diese Geschichte auch mit der wunderbaren Erzählung von der Versöhnung zwischen den beiden verfeindeten Brüdern, gleichzeitig ein sehr eindrucksvolles Symbol für die beginnende Versöhnung zwischen Juden und Christen nach den schrecklichen Ereignissen des Genozids an den Juden während der Nazizeit. Unser Prediger verstand es so gut, den Gedanken der Versöhnung zu verdeutlichen, dass die Gemeinde nach der Beendigung der Predigt spontan zu klatschen begann. Das war also der Auftakt zu der nun bald fünfjährigen Partnerschaft mit den „Rabbis for Human Rights"! Später wurde dann das Ganze noch durch einen Prebyteriumsbeschluss abgesegnet.  

Seitdem hat uns Jeremy Milgrom schon häufig besucht, hielt auch Vorträge zur aktuellen politischen Situation in Israel / Palästina und diskutierte mit Schülern in verschiedenen Schulen Bensbergs. Ein besonderer Höhepunkt war die Verleihung der Georg-Fritze-Gedächtnisgabe , die Jeremy Milgrom stellvertretend für die RHR im letzten Jahr in der Kartause entgegennahm. Inzwischen hat die Partnerschaft auch ganz praktische Konsequenzen nach sich gezogen, denn wir haben mit Hilfe unserer Kollekten, einer palästinensischen Nichtregierungsorganisation und natürlich in Kooperation mit den RHR ein Frauenzentrum bei den Jahalin-Beduinen eingerichtet, das nun durch „Hilfe zur Selbsthilfe" immer weiter entwickelt werden soll. Gleichzeitig möchte ich auf einige der anderen Aktivitäten unserer Jerusalemer Partner hinweisen: Sie setzen sich sehr für die Palästinenser ein, deren Häuser von Abriss bedroht sind – Arik Aschermann, der geschäftsführende Direktor, hat sich sogar schon mehrfach mit seinem eigenen Körper heranrollenden Bulldozern in den Weg gelegt! - pflanzen Olivenbäumchen für palästinensische Bauern, deren Olivenbäume massenhaft abgeholzt wurden, oder helfen ihnen gegen raubgierige Siedler bei der Olivenernte, darüber hinaus engagieren sie sich auch für die Rechte von Gastarbeitern aus dem Fernen Osten etc. 

Aber es sollte nicht vergessen werden, dass wir auch eine Rabbinerin bei uns zu Gast hatten ( im Jahre 2000)! Ma’ayan Turner hat ebenfalls hier gepredigt und in Gymnasien gesprochen; damals ging es um den 9. November. Wir hoffen, dass sie nicht das einzige weibliche Mitglied unserer Partnerschaft bleiben wird, denn wir haben schon eine weitere Rabbinerin in unsere Gemeinde eingeladen: Na’mah Kelman, die am Hebrew Union College in Jerusalem doziert. Auf diese Weise hoffen wir unsere Partner jenseits des Mittelmeers immer besser kennen zu lernen und sie uns! (Annelise Butterweck)  

Über die aktuelle Situation in Israel/ Palästina

 Marylene Schultz und Annelise Butterweck berichten.  

Meine Familie vergrössert sich  
von Marylene Schultz  

"Darf ich bitte bei dir bleiben?"

Die, die mir diese Frage stellte, war eine junge Frau, etwa zwanzigjährig. Sie hatte eindeutig Angst. Wie auch ich, befand sie sich eines Abends bei der Taxistation gegenüber vom Damaskustor in Jerusalem. Da stehen die Sammeltaxis, die früher nach Azariah-Abu Dis fuhren, jetzt nur bis zum Checkpoint. Da ist nämlich seit Juli 2002 die Welt zugemauert. Kein Vehikel kann vorbei. Da steigt man aus, klettert über ein Mäuerchen, geht über ein Feld, wo manchmal Stacheldraht das Gehen erschwert, um dann auf der anderen Seite in ein anderes Taxi zu steigen.

Es war beinahe 8 Uhr abends, kalt und regnerisch. Um diese Zeit ist es selten, gerade bei solchem Wetter, dass eine junge Frau, die nicht hier wohnt, allein in der Stadt ist.

Männer und junge Burschen, die von irgendeiner Arbeit kommen, warten, bis sich jeweils ein Ford mit 10 oder 12 Sitzplätzen gefüllt hat. Der Chauffeur fragt jeden der einsteigen will, ob er die richtige, blaue, Jerusalemer Identitätskarte hat. An diesem Abend verlangt er nicht, wie mache es tun, sie zu sehen. Die junge Frau zögert, mag nicht lügen, hat aber Angst die Wahrheit zu sagen. Sie braucht nichts zu sagen, der Chauffeur hat verstanden. Er gibt keine Antwort, fordert sie aber auch nicht auf einzusteigen. Nimmt er sie mit und wird er kontrolliert, muss er eventuell 5000 I.S.bezahlen, oder sein Taxi wird konfisziert. Sie hier stehen lassen? Das geht weit über den Ehrbegriff eines arabischen Mannes. Wir stehen unschlüssig da, sie schmiegt sich an mich. Ich kann nicht einsteigen. Soll ich ihr vorschlagen, die 6 km zu Fuss zu gehen? Das ist noch verdächtiger, so uns eine Militärpatrouilie überholt. Ich kann aber schlecht den Fahrer bitten, doch grosszügig zu sein, es kann für ihn heissen, dass er sein Einkommen verliert, von dem eine oder zwei Familien leben. Sie setzt einen Fuss ins Auto, keine Reaktion vom Fahrer. Er tut, als würde er nicht sehen, wer einsteigt.

Dann sitzt sie in der Ecke, ich neben ihr. Sie flüstert: „Wirst du sagen, dass ich deine Angestellte bin?" „Nein, ich werde sagen: meine Enkelin, oder eine Nichte oder was weiss ich, ich habe keine Angst. Aber sage mir deinen Namen".

Das Taxi ist voll, der Fahrer zögert abzufahren. Ich spüre seine Zerrissenheit, schweige, als er sich eine Zigarette anzündet, obwohl ich das Rauchen in öffentlichen Verkehrsmitteln sonst immer beanstande. Dann schlage ich dem Chauffeur vor, mit der jungen Frau auszusteigen, sobald eine Kontrolle in Sicht ist. Er lässt den Motor an. Keiner spricht. Alle starren nach vorne auf die Strasse. Ob da irgendwo Soldaten stehen? Plötzlich hinter einem Gebäude auftauchen?

Die Spannung ist groß. Mir scheinen die 6 km ein unglaublich langer Weg zu sein. Ich frage mich, wie oft ein Chauffeur dieses Dilemma aushalten muss: entweder Polizist zu spielen für die Besatzungsmacht, in dem er die zurückweisst, die die richtigen Papiere nicht haben, oder wie manche Fahrten er unter solchen Spannungen zurücklegt. Als wir die Gefahrenzone hinter uns haben, atmen alle auf. Wir schauen uns an, ihr Lächeln ist so strahlend wie die aufgehende Sonne.

Azariah  von Marylene Schultz    


Besuch in El Aizariya  
von Annelise Butterweck  

Als ich mich nach der offiziellen Beendigung des Bush-Krieges gegen den Irak entschloss, nach Palästina zu fahren, hatte ich das große Glück, bei Marylene Schultz und Diet Koster, den beiden Erzieherinnen unseres Kinderheim-Projekts, die beide schon in unserer Gemeinde von ihren Erfahrungen erzählt haben, zu Gast sein zu dürfen. Bei Diet konnte ich im Vorratsraum schlafen, wunderbar ruhig, ganz anders als in Jerusalem, wo sich auch nachts der Autoverkehr lärmend durch die Straßen bewegt. Hier, im sog.Team-Haus, lernte ich ein Stück weit die Großfamilie kennen, zu der sich inzwischen das Kinderheim von damals entwickelt hat: Z.B. den blinden Naseraus Bethlehem, der in Abu Dis Sozialarbeit studiert und immer erst kurz vor den Prüfungen fleißig wird, Hakam, der bei Mohammed Abu Hilweh - auch er war schon bei uns in Bensberg zu Gast, als er in Köln seine Optikerlehre absolvierte - als Optikerlehrling arbeitet, aber oft, von depressionen heimgesucht, im Bett liegen bleibt, und die freundliche, lebenslustige Kitham, die als Kind eine schwere Krankheit durchgemacht hat, von der sie durch eine komplizierte Operation in der Schweiz geheilt werden konnte, und die jetzt als Nachtschwester in den Four Homes of Mercy arbeitet. Ich nahm auch teil an an den sonntäglichen Zusammenkünften der Großfamilie, die sich bei Diet regelmäßig zum Abendessen versammelte, und lernte so manche von Diets "Enkelkindern" kennen, die die auf Tisch und Boden herumkrabbelten. Darunter waren auch die beiden süßen Kinder unseres Mohammed. Draußen vor dem Haus schnatterten unterdessen Väter und Mütter munter durcheinander, sich im kühlen Abendwind von den Strapazen des Tages erholend. Auch bei Marylene fühlte ich mich sehr wohl. Obwohl sie pensioniert ist, kümmert sie sich nach wie vor um die Ehemaligen, deren Kinder, um Nachbarsfrauen und Jugendliche aus dem Dorf,die beinahe zu jeder Tages-und Nachtzeit bei ihr hereinschneien, denn ihr Haus ist fast Tag und Nacht offen für alle, die sie brauchen oder auch einfach zum Vergnügen kommen.

Das gilt vor allem für diejenigen, die gerne spielen wollen: Buchstabenspiele, Zahlenspiele, Schach, denn auch sie selbst ist eine leidenschaftliche Spielerin. Daneben widmet sie sich mit aller Liebe ihrem kleinen Garten mit seinem Mispelbaum, der über und über mit saftigen gelben Früchten bedeckt war und großen Zuspruch bei den Kindern fand, dem Weinstock mit seinen bei Nachbarsfrauen begehrten Weinblättern, dem kleinen Olivenbaum , diversen Küchenkräutern, gelben Blumen und vor allem mit grünem Salat. Dieser Salat ist ihre ganze Freude; deswegen wird auch jeden Tag Salat gegessen, und außerdem versorgt sie fast die ganze Gegend bis hin nach Jerusalem und Bethlehem mit diesem köstlichen Gartengewächs. Nicht weit von meiner Unterkunft, ganz am Ende von El Aizariya, erstreckt sich , auf einem unwirtlichen Hügel, dem "Dschabal", das Flüchtlingslager

der Jahalin-Beduinen, die durch die finanzielle Hilfe unserer Gemeinde vor kurzem ja das lang ersehnte Frauenzentrum erhielten.

Ich war natürlich sehr begierig, dieses gute Stück nun mit eigenen Augen kennenzulernen und hoffte, auch schon einige Aktivitäten mitzuerleben. Letzteres kommt leider erst jetzt in Gang, denn die Uhren gehen im Orient ziemlich langsam, aber ich konnte immerhin die neue Spüle, den Gasherd und die Plastikstühle bewundern, die noch unausgepackt in der Ecke standen.Später kam dann noch der Generator hinzu, den Marylene und ich gerne mit Solarenergie betrieben sehen wollten, was

aber leider dort noch nicht möglich ist. Zusammen mit Rima, einer Sozialarbeiterin von PARC ( Palestinian Agricultural Relief Committee), unserer Partner-NGO, und mit etwa 15 von ihr bestellten Beduinenfrauen besprachen wir deren Pläne und Wünsche. Es herrschte eine gute, aufgeschlossene Atmosphäre, und ich freute mich, bei dieser Gelegenheit auch Sabcha kennenzulernen, die an einem Gehirntumor litt und zwei schwierige Operationen absolvieren musste, deren Kosten auch von unserer Gemeinde mitgetragen wurden. Es stellte sich heraus, dass die Frauen, die mit großem Kinderreichtum gesegnet sind, sehr gerne auch einen Kindergarten hätten. Hier wäre zu hoffen, dass unsere Hilfe mit der Zeit auch zu einer echten "Hilfe zur Selbsthilfe" wird, d.h. dass sie allmählich, z.B. durch Nähkurse im neuen Frauenzentrum, in die Lage versetzt werden, selbst Geld zu verdienen ( neuerdings kam die Idee auf, dass sie vielleicht durch Basteln von Solarkochern und Ähnlichem zum Lebensunterhalt beitragen könnten). Neben dem neuen Caravan gibt es auf dem Kamm des Hügels noch andere Baracken, die teils von der Regierung und teils vom französischen Konsulat bereitgestellt wurden. Hier werden die Kinder von drei Lehrerinnen, die jeden Tag aus Jerusalem herkommen, und einem Direktor unterrichtet, sogar in Form von Koedukation. Es machte Spaß, dort zu hospitieren und zu erleben, wie sie Englisch lernen oder sich die Namen von Küchenkräutern merken. Eins der Kinder, die zehnjährige Muna, lente ich etwas genauer kennen. Ich hatte ihr, wenn auch noch stockend und langsam,

eine lustige Juha (Eulenspiegel) - Geschichte auf arabisch vorgelesen, wobei sie mich immer wieder korrigierte, klatschte aber trotzdem Beifall. Dann führte sie mich durchs Lager, zeigte mir einige muntere Esel , ließ sich vor dem Frauenzentrum fotografieren, wobei sie die Hand zum Victory-Zeichen erhob und dies auch mir beibrachte, so dass ich jetzt richtige Übung darin habe. Es wäre noch manches von den Jahalin zu erzählen, von dem neuen Spielplatz, dem geplanten Sommercamp, den Männern, die hier das Sagen haben, aber auch von den beiden jungen Frauen, die an der Universität zu studieren begannen.

Das spare ich mir für das nächste Mal auf.  von Annelise Butterweck

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