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Zavidovici
Unsere Partnerschaft mit den Menschen in Zavidovici - von Pfarrer Graf

Wie alles begann: Plötzlich waren sie da. Etwa 200 Flüchtlinge aus allen Teilen Bosniens. Menschen, denen man ansah, dass sie schon lange Hunger gelitten und Angst um ihr Leben gehabt hatten. Im alten Car-Park der belgischen Armee in Bensberg wurden sie in Verschlägen untergebracht. Hochbetten standen um die Wände der vielleicht 7 Quadratmeter großen Behausungen, ein Tisch in der Mitte, Herd und Kühlschrank gab es im Gemeinschaftsraum. Es war kurz vor Weihnachten und wir, d.h. Gretel Diekmann (evg.). Anni Müller (rk.) und ich, besuchten die Menschen, stellten einen Besuch des Nikolaus auf die Beine, um sie zu überraschen und knüpften die ersten Kontakte. Die Freundlichkeit tat ihnen gut, und uns erfreute ihre gastfreundliche Art, wie sie uns sofort Kaffee anboten und uns mit dem Wenigen, was sie hatten, bewirteten. Die Kinder, besonders die Mädchen, stellten spontan eine kleine Gruppe zusammen, die für uns sang und tanzte. Im Anschluss ging jeder von uns noch zu einer Familie, in ihre Unterkunft. Mich führte mein Weg zu Familie Starcevic. Der Vater, Sejad, in seiner alten Heimat Landvermesser, die Mutter Aissa Lehrerin, die beiden Kinder Emir und Elma, gerade 5 und 7 Jahre alt. Aus dieser Begegnung sollte eine echte Freundschaft werden!Die bosnischen Familien haben über mehrere Jahre in Bensberg gewohnt. Sie zogen aus dem Car-Park aus, wohnten dann im Bensberger Schloss (heute ein Luxushotel), bekamen allmählich Wohnungen, manche auch Arbeit. Immer begleitet und beraten von unseren ökumenischen Flüchtlingshelferinnen und -helfern. Aber in allen Gesprächen war der Wunsch herauszuhören, doch bald wieder in die Heimat zurück zu gehen. Ein paar Mal musste ich Sejad überzeugen, dass es im Moment noch nicht besser sei, als Kämpfer in sein Land zurück zu gehen. "Nach dem Krieg werden Leute wie du gebraucht", war meine Argumentation. Aber es war doch schwer für ihn, aus der Ferne mitzuerleben, was in seiner Heimat geschah. Der Telefonkontakt zu seinen Eltern und Geschwistern bestand die ganze Zeit. Er stammt aus Zavidovici, einer Kleinstadt, hundert Kilometer nördlich von Sarajevo. Einer seiner Brüder lebt in Bihac, einer damals völlig eingekesselten Stadt, deren Bewohner drei Jahre nicht heraus konnten. Seine Frau starb damals, weil sie wegen eines Nierenleidens nicht operiert werden konnte. In Zavidovici war die Lage ähnlich. Von den Bergen (Bosnien ist ein sehr bergiges Land) nahmen serbische Kräfte das Leben in der Stadt unter Beschuss. Viele Einwohner kamen ums Leben oder wurden verstümmelt. Das Krankenhaus wurde durch Granaten zerstört, drei Schwestern verloren ihr Leben. Die Ärzte zogen um und operierten im Keller des einzigen Hotels in der Stadt notdürftig weiter. Auch die Schulen im Ort wurden Opfer des Terrors. Direktor Muhic, der die drei Grundschulen leitet, verlegte den Unterricht in die Keller von Privathäusern. Er ist stolz darauf, dass während der Schulzeit kein Kind durch Beschuss ums Leben kam. In Bensberg war Sejad Starcevic in unserer Gemeinde eine große Hilfe geworden. Ohne Bezahlung wurde er die Stütze unseres Küsters Alfred Rösch und übernahm sogar - als Muslim- während der Ferien seine Vertretung. Wenn das keine Mega-Ökumene ist!  

Unsere erste Fahrt nach Bosnien

Als die bosnischen Familien Bensberg wieder in Richtung Heimat verließen, fiel uns das sehr schwer. Wir machten uns Sorgen über das Schicksal unserer Freunde in einem zerstörten Land. Darum dauerte es auch nicht lange, bis wir uns auf den Weg dorthin machten, um sie zu besuchen. Im September 2000 fuhren wir mit dem Gemeindebus und vielen Hilfsgütern die lange Strecke. Gretel Diekmann, Anni und Helmut Müller, Alfred Rösch und ich erfuhren schon auf der Strecke, wie die Zerstörungen des Balkankrieges gewütet hatten. Am besten sah es in Slowenien aus. Aber je mehr wir an das Zentrum der serbisch - bosnischen Auseinandersetzungen kamen, um so verheerender war der Eindruck. Hinter Slowanski Brod passierten wir die Grenze und kamen in die serbische Zone. Ich weiß nicht wie viele Kilometer es waren, aber an der Straße, die wir befuhren stand kein einziges bewohnbares Haus mehr. Leere Fensterhöhlen starrten uns an, Bäume wuchsen aus ihnen heraus und die Vorgärten waren verwildert. Kein Mensch konnte dort hinein gehen. Die Gefahr, auf eine Mine zu treten, war zu groß. Im bosnischen Teil sah es kaum besser aus. Auch hier war die Zerstörung an jedem Gebäude sichtbar. Einzig die Tatsache, dass viele Bosnier in den Jahren zuvor als Flüchtlinge im Ausland waren und ein wenig Geld, Baumaterial, Möbel oder alte Autos mitbringen konnten, machte die Sache optisch besser. Der Empfang in Zavidovici war umso herzlicher. Nicht nur unsere Freunde, sondern, von ihnen organisiert auch die Bürgermeisterin, der Krankenhausdirektor und Schuldirektor Muhic empfingen uns mit offenen Armen. Ausdrücklich wollten sie uns nicht nur die Zerstörung zeigen, sondern auch die Schönheit ihrer Heimat. Andererseits konnte man auch die Schäden und die katastrophale wirtschaftliche Lage und ihre Auswirkungen auf die Menschen nicht übersehen.

Im Krankenhaus konnten wir uns von den Schäden durch die Bombardements einen Eindruck verschaffen. Es gab damals Hilfe aus Saudi Arabien, aber keine Hilfe war genug, um dort schnell etwas zu bewirken. Direktor Muhic führte uns durch die Schulen und wir sahen mit Erschrecken, mit welcher Systematik hier geschossen und zerstört worden war. Nicht nur die Menschen, auch die Kultur sollte zerstört werden. Und trotzdem - auf meine Frage, wie denn das Zusammenleben in Zukunft aussehen sollte, bekam ich die Antwort: "Wir müssen zusammen leben. Es macht keinen Sinn, sich weiter zu hassen. Es sind die Kinder, hier in unseren Schulen, die diese Zukunft bauen müssen." Und tatsächlich, im Unterricht der Grundschule saßen sie alle zusammen, bosnische, serbische und kroatische Kinder und berichteten darüber, wie sie zusammen spielen. Überzeugender kann in die Friedensarbeit nicht investiert werden. Wir fuhren weiter nach Sarajevo und trafen dort noch einmal ca. 30 unserer ehemaligen Schützlinge.

Bei manchem hatte ich den Eindruck, dass jetzt, nach der Rückkehr, wieder Hunger und Armut überhand genommen hatten. Tief bewegt und mit vielen Vorsätzen zur Hilfe traten wir den Heimweg an, immer vor Augen das Schicksal der Menschen, aber auch die enorme Herzlichkeit, mit der wir in diesen Tagen verwöhnt wurden. Oft saßen wir bis spät in die Nacht bei einem Slibowitz und Grillfleisch auf der Terrasse von Sejads Eltern, erzählten, lachten und lauschten, wenn der Muezzin seinen Gesang anstimmte.

Wie es weiterging: Der Marathon  

Von nun an wurde in unseren Bensberger Gemeinden verstärkt für die Menschen in Bosnien gesammelt. Immer wieder konnten wir größere Beträge von mehreren Tausend D-Mark nach Zavidovici, vorrangig an die Schule schicken. Die Schule wurde das eine Standbein unserer Hilfe. Das Krankenhaus war das andere Ziel. In Gesprächen mit Sejad und dem Krankenhausdirektor hatte ich gehört, wie dringend dort ein Gastroskop gebraucht würde. Das Polyklinikum in Zavidovici ist erste Anlaufstelle für 60.000 Menschen des Kantons und besaß kein Gastroskop.

Andererseits fiel ich fast um, als ich den Preis für solch ein Gerät hörte, etwa 30.000 D-Mark. Trotzdem ließen wir uns nicht entmutigen. Alle Ärzte im Rheinisch-Bergischen Kreis wurden angeschrieben und um Spenden gebeten. Alle kirchlichen Kollekten bei Trauungen wurden für das Krankenhaus gesammelt. Aber es war abzusehen, dass das nicht reichen würde. Darum kam ich auf die Idee, mein Hobby als Mittel zum Zweck einzusetzen. Zusammen mit unserem Diakon, Rainer Beerhenke, begann der Plan für einen Spendenmarathon zu reifen. Wir beide und unser Zivi Stephan Weber wollten den Berlin-Marathon laufen und uns von Spendern aus der Gemeinde jeden Kilometer versilbern lassen. Ein Kilometer = 1 DM.

Was wir erreichten, übertraf unsere kühnsten Erwartungen. Bevor wir uns im September auf den Weg nach Berlin machten, hatten wir über 9000 DM an potentiellen Spenden. Wir mussten nur noch ankommen! Zum Glück waren wir alle so gut trainiert, dass es geklappt hat. Über Zeiten reden wir nicht! Einzig der Zivi, dieser junge Hüpfer lief uns davon....Am Samstag, dem Tag der Abreise hatte ich noch, zusammen mit dem Kollegium der Waldorfschule Bergisch Gladbach, einen Sponsorenlauf für die Schüler organisiert. Und auch dieser Lauf brachte noch einmal 5000 DM ein. Eine riesige Leistung! Auf diese Weise hatten wir nun ca. 17.000 DM hart erarbeitet. Und aus Bosnien kam die Nachricht, dass das dortige Gesundheitsministerium auch einen Teil dazutun konnte. So konnte endlich das Gerät bestellt werden. Zur Einweihung machte ich mich auf den Weg nach Zavidovici. Das wollte ich mir nicht entgehen lassen. Der Eindruck war überwältigend. Sejad hatte die gesamte Presse organisiert und Radio und Zeitungen waren vor Ort.

Ein Empfangskomitee der örtlichen Politiker, sowie zwei bosnische Minister standen bereit, um mit mir zusammen das Gerät an den Krankenhausdirektor Dr. Muhic (ein Vetter des Schuldirektors) zu übergeben. Und anschließend gab es ein rauschendes Fest mit allem, was die Balkanküche zu bieten hat. Besonders schön war aber auch den Zustand der Schulen zu bewundern. Mithilfe unserer und staatlicher Gelder war es Direktor Muhic gelungen, die Schulen wieder instand zu setzen. Kein Vergleich mehr mit den Bildern zwei Jahre zuvor. Meine Freude über diese sichtbare Hilfe aus unseren Gemeinden war nicht zu beschreiben.   

von Pfarrer Graf 
 

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