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Sehr geehrtes Pfarrehepaar Dwornicki, geehrte Mitglieder des Presbyteriums, liebe Gemeinde Kippekausen, liebe Freunde.

Zunächst möchte ich mich für Ihre Einladung zu diesem 30 – jährigen Partnerschaftsjubiläum  herzlich bedanken. Gleichzeitig wünsche ich Ihnen aber auch zu dem 50. Geburtstag der Zeltkirche alles Gute und Gottes Segen.
Ich freue mich, dass ich Ihnen bei dieser Gelegenheit im Namen all unserer Gemeindemitglieder aus Reichesdorf liebe Grüße und ein herzliches Dankeschön für Ihre stetige Hilfsbereitschaft überbringen darf.
Doch muss ich gestehen, dass ich mit gemischten Gefühlen ein Grußwort zu diesem heutigen Anlass ergreife.
Einerseits freut es mich, Ihnen in diesem Rahmen für Ihre unermüdliche Unterstützung bei der  Verwirklichung so vieler Vorhaben danken zu können.
Andererseits aber muss ich mich fragen, ob ich in der Lage sein werde, den tief empfundenen Dank für Ihren Einsatz auch so in Worte zu packen, dass Sie geehrte Kippekausener die Bedeutung Ihrer großzügigen Hilfe für uns Reichesdorfer nachvollziehen können.

Vielleicht fragen sich einige unter Ihnen: „Ja, wo genau liegt Reichesdorf und wer sind diese Reichesdorfer, mit denen wir seit 30 Jahren partnerschaftlich verbunden sind?“

Die Antwort auf diese Frage ist einfach und kompliziert zugleich.

Bezieht man sich nur auf die geografische Lage und die Landschaft, dann könnte man diese Frage etwas komprimiert mit dem Text  eines Liedes von Josef Lehrer folgendermaßen beantworten:

„Willst du Gottes Werke schauen,
komm ins Siebenbürgenland,
jedes Stückchen ist ein Kunstwerk
aus des Schöpfers Meisterhand.
In den Tälern auf den Höhen,
hier die Wiese dort der Wald,
und der Fluss fließt durch die Auen,
drüber weit das Echo schallt.
Und der Mägdlein holde Augen,
und im Keller goldenen Wein,
willst du nicht einmal zu Gaste

 hier in Siebenbürgen sein?“

Reichesdorf- ein Teil Siebenbürgens und deshalb so eng miteinander verknüpft, dass vorhin erwähnte Attribute auch auf Reichesdorf übertragen werden können.
Reichesdorf – ein kleines Dorf in Siebenbürgen, idyllisch gelegen, weil die Natur, die Landschaft dieser Gegend in ihrem Gefüge, einem aus Gottes Hand stammenden Kunstwerk gleich, jeden besticht und einlädt, als Gast daran teilzuhaben und das Zauberhafte dieses Landstriches zu genießen. Denn siehe, Adolf Meschendörfer schreibt in seiner Siebenbürgischen Elegie,(ich zitiere): ”anders rauschen die Brunnen, anders rinnt hier die Zeit“ ....... „anders schmeckt hier der Märzwind, anders der Duft von Heu”                                                      

Nicht zuletzt möchte ich Max Moltke erwähnen, der im September 1819 in Küstrin geboren, sich als Schriftsteller und Redakteur einen Namen gemacht hatte und für dessen Leben und Lyrik der Aufenthalt in Siebenbürgen entscheidend war.
 Heute noch steht das kleine Häuschen mit dem Stübchen am Fuße der Zinne, in Kronstadt, (rum. Brasov), wo er ( ich zitiere!) „aus der Tiefe seines begeisterten Herzens“ schrieb und schrieb – unter anderem 1846 auch das alte und doch immer wieder junge und schöne Lied: „Siebenbürgen Land des Segens…“ das zu einer Art „ Volkshymne“ wurde und einen Aufruf zur Verbrüderung der in Siebenbürgen lebenden 3 Nationen, stellt.

Vor dem Hintergrund der politisch-sozialen Lage während der letzten Jahrzehnte, werden sich diejenigen, die Reichesdorf und Siebenbürgen im Laufe der Jahre schon bereist haben, jetzt fragen: „Welchen Anlass hatte dieser Max Moltke denn, um Siebenbürgen ein Land des Segens, der Fülle und der Kraft, zu nennen? ”

     War diese seine Aussage möglicherweise ausschließlich darin begründet, dass er sich nur auf die Pracht der beeindruckenden Berge und Täler, auf die Größe seiner Wälder bezog? Oder war es der unerschöpfliche Reichtum des Landes, die Fruchtbarkeit der Felder etwa ? Oder war sein Augenmerk auf den verführerischen Rebensaft, den Wein fokussiert?

Die eindeutige Antwort ist „nein“ – das wäre zu oberflächlich. Neben all dem bewegten ihn die Menschen die da lebten, mit ihrem Tun und Lassen.  Das wissen wir aus mehreren Aufzeichnungen seines Sohnes, Siegfried Moltke.

Von ihm erfahren wir unter anderem auch, wieso sein Vater überhaupt nach Siebenbürgen kam – nämlich, nachdem er in Küstrin ein Heftchen mit dem Titel „ Der Brand von Hermannstadt“ gelesen hatte war er wie verwandelt, denn … ( ich zitiere!) …“ was ihn an diesen Schilderungen fesselte das waren die eingewobenen Charakterzüge der Nation der Siebenbürger Sachsen, das waren abgerissene Brocken über das Jahrhunderte alte Deutschtum der Sachsen an der Grenze des Orients im Ringe der Karpaten.  Das entflammte die Seele des deutschen Jünglings Max Moltke so sehr, dass er sich auf den Weg machte und wanderte über Preußen, Böhmen, Österreich, die ungarische Pusta, über den Gürtel der Karpaten bis er in Siebenbürgen, dem schon erwähnten Kronstadt, am Fuße der Zinne war.“

1893, als sein Sohn Siegfried, das erste Mal seine Geburtsstadt , Kronstadt , wieder sah erinnert er sich in dem Sonderheft „Siebenbürger Sachsen“ ( ich zitiere!) …“an die leuchtenden Augen“ seines Vaters, als er ihnen von der Urkraft deutscher Sitte und deutschen Glaubens der Siebenbürger Sachsen erzählte, oder als die Mutter, eine Siebenbürger Sächsin, ( ich zitiere!)  „ihre Heimatlieder  deutsche, magyarische und rumänische sang.“

Damit hat uns Siegfried Moltke den Blick auf die Menschen und deren Leben in der Zeit und in der Gegend geöffnet. Was bestimmte ihr Leben, was war ihnen wichtig?  Die Antwort auf diese Fragen ist eng mit ihrer Geschichte verknüpft und die war bewegt und kompliziert. Ohne ins Detail zu gehen muss gesagt werden, dass es stets der Glaube an Gott war, von dem sie sich durch ihre ganze wechselhafte Geschichte getragen wussten. Dieses Vertrauen befähigte sie zu einem besonders nennenswerten Zusammenhalt und zu einer bedingungslosen Bereitschaft nachbarschaftlicher Hilfe.                                                                                                            

Nicht ohne Grund spricht auch Max Moltke in seinem schon erwähnten Siebenbürgerlied von “ Siebenbürgen   … als einem Land der Trümmer, einer Vorzeit stark und groß“ und etwas später, in der 6. Strophe von

“ … einem Land der Duldung,
jedes Glaubens sicherer Hort,
mögst du bis zu fernen Tagen
 als ein Hort der Freiheit ragen
und als Wehr dem freien Wort.“

Als ihr ständiger Begleiter, war dieses unendliche Vertrauen auf Gott der Garant ihrer Freiheit.  Dieses Vertrauen hat sie, die Siebenbürger Sachsen, scheinbar stark genug gemacht, um den Stürmen der Zeit, wie Krankheiten, Kriege, Deportation, Enteignungen, Represalien und vieles mehr zu widerstehen und sie zu überleben.
 Die besonderen sozial politischen Verhältnisse des Kommunismus und der Ceaucescu – Zeit führten zu einem Massenexodus der Sachsen. Damit wurde ein neues Kapitel in der Geschichte der Siebenbürger Sachsen eingeleitet. In der neuen Situation wurden neue Strukturen notwendig, um die alltäglichen Aufgaben zu erledigen und das forderte von den immer weniger werdenden Zurückgebliebenen oft übermenschliche Kräfte. Es bedurfte einer Neuorientierung. Ja, dies war und bleibt eine Herausforderung, deren Ausmaß man sich nur schwer vorstellen kann. Bei der Bewältigung eines großen Teils der auf uns zukommenden Aufgaben haben Sie, liebe Schwestern und Brüder im Glauben,  uns geholfen. Diesen Teil der Geschichte, den Sie liebe Gemeinde Kippekausen damit geschrieben haben, wird auch Teil unserer neuesten Geschichte sein, der Geschichte Reichesdorfs und Siebenbürgens. Deshalb möchte ich Ihnen an dieser Stelle nochmals danke sagen für Ihre Verdienste um die Erhaltung, Pflege und Verbreitung der siebenbürgisch – sächsischen Kultur in Reichesdorf.  Ebenso möchte ich auch Ihren Beitrag zum Zusammenhalt der Gemeinschaft, nicht nur der Reichesdorfer Siebenbürger, sondern auch der, der sich zwischen Ihnen und uns im Laufe der 3 Jahrzehnte entwickelt hat, mit einem herzlichen Dankeschön entsprechend würdigen.  Danke auch dem ehemaligen Küster dieser Gemeinde, Werner Meyndt, den Pfarrern und Gemeindemitgliedern, die die langen Fahrten immer auf sich genommen haben, um die Hilfsgüter ans Ziel zu bringen. Mit Ihrer großzügigen Unterstützung ist es uns gelungen, viele Projekte zu verwirklichen.  Um nur einige Beispiele zu nennen:

-  Mit einem großen Teil Ihrer finanziellen Hilfe war es uns möglich, dringend erforderliche    Reparaturen am Kirchturm, am Dachreiter der Kirche und dem Gemeindesaal vorzunehmen, aber auch das traditionelle Glockengeläute weiter zu pflegen.
-  Damit Gemeinschaft in verschiedenen Formen auch weiterhin gelebt und entwickelt werden kann, wurde die Küche des Gemeinderaumes komplett ausgestattet mit :

Arbeitstischen, Tischwäsche, Geschirr, Besteck, Herd mit Flüssiggas, Wassertank, einem neuen Bühnenvorhang, Esstischen und Bänken im Gemeindesaal und vieles andere mehr, für 100 Personen.
-  Aus demselben Grund wurden aus Kippekausen geschenkte Sitzauflagen an die kalten Reichesdorfer Kirchenbänke angebracht.

- Nicht zu vergessen sind die Gartengeräte, wie Motorsägen, Benzinrasenmäher, Heckenscheren, Schubkarre, Wasserpumpe, die bei der Pflege der Außenanlagen der Kirche  und des Friedhofes sehr hilfreich sind.

- Aber auch Lebensmittel,  Medikamente, Kleider, Schuhe und ein Xeroxgerät waren große Hilfeleistungen für die Reichesdorfer.                                                                 

Und weil mich als Reichesdorfer Siebenbürger ebenfalls das Vertrauen in eine höhere Macht beseelt, schließe ich mit den Worten von Hans-Karl Eder:

 “Vertrauen muss stets in die Zukunft schauen,
denn nur in ihr da liegt der Sinn;
Vertrauen kann nicht nur auf Vergangenes bauen,
Vertrauen ist ein steter N e u b e g i n n.“

 Mögen wir alle auch weiterhin die Kraft haben, auf Gott und den Bestand unserer partnerschaftlichen Freundschaft zu vertrauen.

Mögen wir Christen den weltweiten Auftrag für Frieden, Gerechtigkeit und Bewahrung der Schöpfung weitertragen.

Ich wünsche Ihnen von Herzen Gottes Segen und das was er meint: Gesundheit, Kraft, Frohsinn und eine angenehme doppelte Jubiläumsatmosphäre.

Gott, der Allmächtige erhalte Sie!   

Ich danke für Ihre Aufmerksamkeit!

                                                             Wilhelm Untch,
 
                                                   
  19.März 2017


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