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Predigt von Pfarrer Robert Dwornicki zum 50. Jubiläum der Zeltkirche in Kippekausen am 19.03.2017
Gnade sei mit Euch und Frieden von Gott unserem Vater und unserem Herrn Jesus Christus. Amen.

Der Predigttext für den heutigen Jubiläumssonntag steht im Alten Testament, im 1. Buch Mose, Kapitel 28, die Verse 10-22. Ich lese den Text zunächst vor:

Jakob verließ Beerscheba und machte sich auf den Weg nach Haran.
11 Als die Sonne unterging, blieb er an dem Ort, wo er gerade war, um zu übernachten. Unter seinen Kopf legte er einen der Steine, die dort herumlagen.
12 Während er schlief, hatte er einen Traum: Er sah eine Treppe, die auf der Erde stand und bis zum Himmel reich-te. Engel Gottes stiegen hinauf und herab.
13 Oben auf der Treppe stand der Herr und sagte zu ihm: "Ich bin der Herr, der Gott Abrahams und Isaaks. Das Land, auf dem du liegst, werde ich dir und deinen Nach-kommen geben! Sie werden unzählbar sein wie der Staub auf der Erde, sich in diesem Land ausbreiten und alle Ge-biete bevölkern. Und durch dich soll allen Völkern der Erde Gutes zuteilwerden.
15 Ich stehe dir bei; ich begleite dich, wo du auch hin-gehst, und bringe dich heil wieder in dieses Land zurück. Niemals lasse ich dich im Stich; ich stehe zu meinem Ver-sprechen, das ich dir gegeben habe."
Jakob erwachte. Entsetzt blickte er um sich. "Tatsächlich - der Herr wohnt hier, und ich habe es nicht gewusst!", rief er. "Wie unheimlich ist dieser Ort! Hier ist die Wohnstätte Gottes und das Tor zum Himmel!"
18 Am nächsten Morgen stand er früh auf. Er nahm den Stein, auf den er seinen Kopf gelegt hatte, stellte ihn als Gedenkstein auf und goss Öl darüber, um ihn Gott zu weihen. 19 So nannte er den Ort Beth-El, das bedeutet "Haus Gottes".
20 Dann versprach Jakob feierlich: "Wenn der Herr mir beisteht und mich unterwegs beschützt, wenn er mir ge-nug Nahrung und Kleidung gibt und mich wieder heil zu meiner Familie zurückbringt, dann soll er mein Gott sein!
Und an der Stelle, wo ich den Stein aufgestellt habe, soll der Herr verehrt und angebetet werden.
 

Liebe Festgemeinde!

(E) Der Christusaltar in Notre Dame in Paris, ein See südlich von Stavanger in Norwegen, das Geländer am Burggraben von Schloss Paffendorf an der Erft und eine Felswand im Wallis oberhalb von Bettmeralp. – Was haben alle diese Orte gemeinsam? – Diese Orte haben für mich, meine Be-ziehungen, in denen ich lebe und für meinen Glauben an Gott zentrale Bedeutung. Wohlgemerkt: Für mich sind die-se Orte besondere Orte. Für Sie sind sie es sehr wahr-scheinlich nicht. Entscheidend sind die Erfahrungen, die Erlebnisse, die Geschichten, die ich mit diesen Orten ver-binde. Ich kann keinen dieser Orte aufsuchen, ohne dass die Zusammenhänge mit meinem Leben und Glauben mir dort sofort wieder lebhaft vor Augen stehen:  Der Ort der ersten Liebe und des ersten Kusses, der Ort wegweisender Lebensentscheidungen, der Ort innigster Nähe und der Ort schmerzhafter Verluste. Wendepunkte, Big Points meines Lebens. Ich denke, Sie könnten für sich eine ähnliche Liste aufstellen. Weil es zu uns und unserer Geschichte gehört, solche Orte zu haben. Beziehungen machen sich für uns an konkreten Orten fest. Liebe, Freude, und auch Trauer ha-ben ihre GPS - Koordinaten in unserem Leben.

(1) Auch der Glaube an Gott, an Jesus Christus, ist eine Beziehung. Und auch mein Glaube, Ihr Glaube geschieht da-her nicht im luftleeren Raum. Zwar gibt es Philosophen, die behaupten, Gott sei der erste Beweger oder ein morali-sches Prinzip, das geschichtslos all unserem Leben und Handeln vorausgeht. Ich glaube das nicht. Denn dann wäre der einzige Ort, an dem der Glaube an einen solchen Gott stattfindet, irgendwo auf der menschlichen Hirnrinde. Sobald es aber um den biblischen Gott, den Vater Jesu Christi geht, und das stellt auch unser Predigttext dar, geht es um konkrete Lebensgeschichten, die an ebenso konkreten Or-ten spielen. Schaut man auf Jakob in unserer Geschichte, so hat man ein Musterbeispiel dafür: Zuerst übernachtet er an irgendeinem Ort, an dem er gerade war und nimmt wahllos irgendeinen Stein, der herumliegt. Und dann geschieht hier in dieser Nacht eine für sein Leben und seinen Glauben wegweisende Gottesbegegnung.  Und am anderen Morgen ist dieser Stein für ihn ein Gedenkstein an einem für ihn ganz außergewöhnlichen Ort geworden. Ein Ort, an dem Gott wohnt und der für seine weitere Geschichte mit diesem Gott zentrale Bedeutung hat: Beth-El, „HAUS GOTTES“. Für alle anderen, die zufällig vorbeikommen ist er jedoch immer noch ein alltäglicher Ort mit einem gewöhnlichen Stein, jetzt mit fettiger Spitze.

Liebe Gemeinde, auch wir feiern heute ein GOTTES-HAUS. Und im Vorfeld der Vorbereitungen des heutigen Festtages sind uns viele Geschichten zugetragen worden. Geschichten von Menschen, die immer wieder in diese Kirche kom-men, weil sie hier Besonderes erfahren haben. Viele von Ihnen sind hier getauft worden, konfirmiert, haben hier geheiratet, ihre Kinder eingeschult oder um einen lieben Menschen getrauert. Und das zunächst nur, weil es die Kirche war, die zu ihrem Wohnort gehörte. Wer in Kippekausen und im Frankenforst wohnt, der geht halt in die Zeltkirche. „Parochiale Ordnung“, so nennt man das phantasielos auf „kirchenbeamtisch“. Doch dann wurde diese Kirche für manche von Ihnen zu „Ihrer Kirche“, weil sie hier etwas erlebt haben: sie haben eine Predigt gehört, die sie nicht mehr losgelassen hat und die für sie zu Gottes persönlichem Wort wurde und ihr Leben veränderte. Sie haben hier Zusammenhänge ihres Glaubens und Lebens verstanden und erfahren, die sie vorher nicht ahnten. Sie haben sich hier gegenseitig Versprechen gegeben, die sie heute noch binden. Sie haben hier Menschen kennen gelernt, die sie fasziniert und bewegt haben und die ihren Le-bensweg beeinflussten und veränderten. Sie haben in die-ser Kirche Gottes Trost gespürt.  - „Ich wäre nicht der, der ich bin ohne diese Kirche!“ sagte mir vor kurzem ein Fami-lienvater und seine Augen leuchteten dabei.

Liebe Festgemeinde, genau so sehe ich Jakob in unserer Geschichte vor mir. Er wäre nicht Jakob, der Stammvater Israel geworden ohne Beth-El. "Tatsächlich - der Herr wohnt hier, und ich habe es vorher nicht gewusst!" Man könnte dies geradezu so übersetzen: Diese Kirche ist nicht von jeher selbstverständlich ein Gotteshaus, sondern seit 50 Jahren wird sie im Leben vieler Menschen dazu. Nicht die wunderschöne Dachkonstruktion, der lichtdurchflutete Innenraum, die angenehmen Baumaterialien und die wohlklingende Orgel machen sie dazu, sondern diese vielen Ge-schichten der Begegnung mit Gott, mit seinem Wort, dass hier an diesem Ort für Menschen lebendig wurde.

(2) „Und das Wort wurde Fleisch und zeltete unter uns!“ – so drückt es der Evangelist Johannes aus. Und dieser Vers gibt ja dieser Kirche auch ihren Namen. Gott zeltet mitten unter uns. Mitten in unserem Leben, in unserem Alltag, mitten in diesem Wohngebiet „Parksiedlung Kippekausen“ bleibt Gott nicht in seinem Himmel, sondern kommt uns nahe, geht mit uns seine Beziehung ein. Wohl gemerkt steht hier im griechischen Original wirklich „zeltete“ und nicht „wohnte“, wie Luther es übersetzte. „Zelt“, das steht jedoch in der Literatur der Antike für Vergänglichkeit und Mobilität. Der menschliche Leib ist ein Zelt, das wir in un-serer Lebensgeschichte mal hier und mal da aufbauen, das aber zuletzt keinen bleibenden Ort auf dieser Erde hat. Für Gott heißt das: ER kommt uns im Zelt dieser Kirche ganz nahe, aber er legt sich nicht auf diesen Ort fest. Gott wohnt nicht fest in Häusern, in Tempeln, die von Men-schenhand gemacht sind. – Hier irrte Jakob sich. Er hatte nicht genau hingehört, denn Gottes Versprechen lautete ja: „Ich werde dich begleiten, wo auch immer du hingehst!“ – Gott teilt die Mobilität seiner Menschen. Auch und vor allem im Neuen Testament. Er geht in Jesus Christus mit uns eine Beziehung ein und begleitet uns an die Orte unseres Lebens, die Höhen und die Tiefen. Und zuletzt teilt er mit uns auch unsere Sterblichkeit. Wenn unser Zelt auf dieser Erde abgebrochen wird, dann sterben wir nicht von den Orten weg, an denen Gott uns begegnet, sondern in die ausgebreiteten Arme Jesu hinein, der auch -wie wir- in die-sem Leben nur gezeltet hat. Darum hängt das Kreuz von Golgatha mitten in dieser „Zelt-Kirche“.
(3) Das also ist das Geheimnis dieser Kirche: Sie weist durch ihre Form und ihren Namen auf die Spannung hin, in der Gott mit uns in dieser Welt in Beziehung tritt: Gott wohnt bei uns, indem er mit uns geht. Wir können ihn nicht konkret auf einen Ort festlegen. Er bleibt unverfügbar. Darum ist diese Kirche so gebaut: Ein Ort, an dem sich viele Chris-tinnen und Christen versammeln können, um miteinander zu feiern, was sich in ihrem Leben unterwegs, da draußen, wo der Blick durch die klaren Scheiben hinfällt, ereignet. Dass Gott sie in ihrem Alltag, in ihrem Zuhause und unter-wegs aufsucht. Mit lebt. Sie ist ein Ort, um die Zusammenhänge unseres Lebens mit Gott zu verstehen, sie mit ande-ren zu teilen und sich seine Nähe und seinen Segen zusprechen zu lassen, um IHN dann unterwegs neu zu erfahren. Gott wohnt hier, gewiss, aber nur, weil er die Menschen begleitet, die sich hier miteinander in Jesu Namen treffen, oft übrigens mehr, als nur 2 oder 3. Darum ist die Zeltkirche nicht so etwas wie ein heiliger Ort inmitten einer unheiligen Welt. Sie ist er Feier-Ort derer, in deren Leben durch ihn etwas heil geworden ist. Die Zeltkirche ist auch kein Ort, in dem Gott als Garant von Besitz, Gesundheit und Wohlstand mitten einer Parksiedlung des gebildeten bürgerlichen Mittelstandes eingeschlossen ist. Gott kommt und geht hierher mit den Menschen, die diese Kirche aufsuchen, von IHM und seiner Liebe erzählen und sie weitergeben. Und das geschieht dort, wo wir miteinander seine Gemeinde mit Phantasie und Engagement immer neu wei-ter gestalten. Auch nicht eng, ängstlich oder verschlossen, sondern indem wir mit unseren Nachbarbezirken und in der Ökumene „gemeinsam unterwegs im Glauben“ immer wieder mutig danach fragen, was es heute und auch morgen bedeutet, mit Gott in Jesus Christus gemeinsam zu leben. Amen.

Und der Friede Gottes, der höher ist als alle Vernunft, er-halte Euch in der Gemeinschaft mit Jesus Christus. Amen.


 

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