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21.03.2020, 21.00 Uhr

Gruß zum Sonntag aus Kippekausen, 22.03.2020

„Wie lieblich sind deine Wohnungen, HERR Zebaoth!
Meine Seele verlangt und sehnt sich nach den Vorhöfen des HERRN;
mein Leib und Seele freuen sich in dem lebendigen Gott.
Der Vogel hat ein Haus gefunden und die Schwalbe ein Nest für ihre Jungen –
deine Altäre, HERR Zebaoth, mein König und mein Gott.
Wohl denen, die in deinem Hause wohnen;
die loben dich immerdar.“

So beginnt der Psalm 84, der Tagespsalm für den vergangenen Sonntag. Ein Psalm, der mir immer lieb war, den ich schon mit Kindergartenkindern besprochen habe. Wer einmal bei Sonnenschein in der Zeltkirche gesessen hat und durch die großen Fenster draußen die Bäume gesehen hat, die kleinen Wellen auf dem Teich hinter der Kirche und wie der Graureiher sich mit seinen majestätischen Schwingen dort niederlässt, der versteht mich vielleicht.

Und nun – die Kirche verschlossen, aus Angst, dort könnten sich Menschen mit dem Corona-Virus infizieren. Kein Orgelklang mehr, kein gemeinsames Singen und Beten, keine Gemeinde, die meinen Worten zum Predigttext lauscht oder sich zum Teilen von Brot und Wein um den Altar versammelt. Welch ein Gegensatz zu den Versen des Psalms 84!

Und doch geht der Psalm noch weiter:
“Wohl den Menschen, die dich für ihre Stärke halten
und von Herzen dir nachwandeln!
Wenn sie durchs dürre Tal ziehen, wird es ihnen zum Quellgrund,
und Frühregen hüllt es in Segen.
Sie gehen von einer Kraft zur andern
und schauen den wahren Gott in Zion.“

Das finde ich spannend und tröstlich für unsere Situation. Der Glaube lässt sich nicht nur in einer Kirche leben. Wenn ich „Gott für meine Stärke halte“, dann wohnt der Glaube, das Vertrauen zu Gott erst einmal vor allem in meinem Herzen.

Und mit diesem gestärkten Herzen ziehe ich los: ob durch das dürre Tal unserer Corona-Zeit oder durch andere schwierige Situationen meines Lebens. Und manchmal erschließen sich tatsächlich „Quellen“: Gespräche beim Tee oder jetzt eher über den Gartenzaun hinweg. Nachrichten von lieben Menschen, die mich erreichen. Ein Bibelwort, das mich aufbaut. Menschen, die sich solidarisch verhalten, Schüler, die Älteren ihre Hilfe beim Einkaufen anbieten. Kerzen, die als Lichter der Hoffnung und der Verbundenheit entzündet werden.

All das stärkt mich und gibt mir Kraft, wie es in dem Psalm heißt. Und, ja, darin kann ich auch „Gott schauen“, unseren geheimnisvollen, manchmal unverständlichen aber immer liebenden Gott, der in Jesus Mensch wurde. Er teilt auch unsere Zeit. Und sein Geist der Liebe und der Hoffnung erfüllt und verbindet uns, über die Mauern und Straßen hinweg. Wir sind und bleiben seine Gemeinde, auch ohne Kirchraum.

Schließen Sie sich doch dem allabendlichen Gebet um 19.30 Uhr an und stellen Sie eine Kerze ins Fenster. Dann wird unsere Verbundenheit noch besser erlebbar. Mehr Informationen dazu finden Sie auf dieser Homepage.

Geben Sie auf sich und Ihre Mitmenschen Acht und bleiben Sie gesund!

Herzlichst, Ihre Birgit Dwornicki

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