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Auslegung Röm 15,7

Nehmet einander an, wie Christus
euch angenommen hat zu Gottes Lo
b

„Nehmet einander an!“ - so steht es auf dem Gedenkstein an der Ostseite unserer Kirche, der das Wachstum des Kirchengebäudes dokumentiert. Das Kirchengebäude ist gewachsen, weil die Zahl der Gemeindeglieder seit dem Tag der Grundsteinlegung am 14. Juni 1953 immer weiter gewachsen ist. Wenn es im Neuen Testament um das Wachstum der Gemeinde geht, ist dabei aber nicht nur äußerliches Wachstum gemeint, sondern auch menschliches geistliches, spirituelles Wachstum. Solches Wachstum ist nicht möglich ohne die Bereitschaft und die Fähigkeit, einander anzunehmen - in unserer Verschiedenheit, ja manchmal Gegensätzlichkeit.

Einander anzunehmen - das ist aber gar nicht immer einfach, auch sich selbst anzunehmen kann bisweilen ganz schön schwierig sein. Darum heißt der ganze Satz bei Paulus auch: „Nehmet einander an, wie Christus euch angenommen hat.“ Die Tatsache, dass Christus mich angenommen hat, erst diese Tatsache macht es mir möglich, mich selbst anzunehmen - auch wenn ich mich manchmal selbst nicht leiden kann und meine Schattenseiten gern verdränge.

Dass Christus mich angenommen hat - genauso wie den Menschen an meiner Seite - macht es mir möglich, auch den anderen anzunehmen und in ihm das Kind Gottes, die Schwester, den Bruder zu erkennen. Und das gilt für die Menschen, die sich aktiv zur Gemeinde zählen und für die Menschen, die sich selbst eher am Rande sehen, und auch für die Menschen, die vielleicht noch „draußen“ stehen - Gott sehnt sich auch nach Gemeinschaft mit ihnen, denn Gott ist an allen seinen Menschen interessiert. Ihm ist niemand gleichgültig. Wir haben uns als Christen von Gottes Liebe beschenken lassen - und möchten lernen, sie an andere weiterzugeben. Den Römern sagt Paulus: Gott ist es, der euch in Christus zusammengebracht hat als Menschen, die bis dahin füreinander völlig unannehmbar waren, der euch zusammengebracht hat aus Juden und Heiden.

Und so hat Gott auch uns angenommen und in seiner Gemeinde, dem Leib Christi, zusammengebracht - mit unserem ganz unterschiedlichen Herkommen, unseren unterschiedlichen Standpunkten, unseren ganz unterschiedlichen Einstellungen. Bei uns wird offen über das Leben und den Glauben gesprochen. Jeder ist hier erwünscht und wird mit seinen Fragen und mit seinem Vorwissen ernst genommen und angenommen. Wir hoffen, dass Menschen bei uns erleben können: „Hier bist Du richtig. Hier bist Du gefragt - mit deinen Macken, die uns nicht von dir abwenden werden, und mit deinen Gaben, die du vielleicht ganz neu entdecken und bei uns einbringen kannst. Wir wollen gemeinsam geistlich leben lernen.“ Nehmet einander an! - das ist kein Befehl. Paulus möchte uns damit locken, das zu werden, was wir sind: Leib Christi. Gott ermöglicht uns die Annahme, weil er uns in Christus schon lange angenommen hat.

Pfarrerin Marion Rauber & Pfarrer Wolfgang Pöttgen

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